Demonetize in Wien

German Version, english below
Demonetize/nicht kommerzielle/umsonstökonomische Vernetzung auf dem Solidarische Ökonomie Kongress in Wien im Februar

Liebe Leute,

vom 22.-24. Februar 2013 findet in Wien zum 2. Mal der
Solidarische-Ökonomie-Kongress statt. www.solidarische-oekonomie.at

Wir von W.E.G./ der Schenke (Umsonstladen+Cafe) wollen dies nutzen und
vor-auf-nach dem Kongress einen Rahmen schaffen, in dem sich
umsonstökonomische/nicht-kommerzielle Projekte austauschen und vernetzen
sowie Perspektiven und Ideen spinnen können.

Deshalb würden wir euch gerne zu diesen Tagen einladen!

Bei Bedarf werden wir versuchen Fahrtkosten zu organisieren, um die Fahrt
nach Wien zu ermöglichen; Schlafplätze gibt es sowohl auf dem Kongress,
aber auch bei uns.

Bisher ist folgender Ablauf angedacht:

Donnerstag Nachmittag/Abend: Schnitzeljagd in Wien und damit die
Möglichkeit Kennenzulernen, was es hier spannendes gibt + eine gemeinsame
Einleitung in das Thema; Zusammenkommen in der Schenke, Kennenlernen etc.

Freitag-Samstag auf dem Kongressgelände:
Workshop 1: Strukturwissen für emanzipatives Handeln. Welche
solidarökonomischen Praxen haben welches emanzipative Potential?
Workshop 2: Theorie der Umsonstökonomie – Kritik und Perspektiven
Workshop 3: Wie kann Umsonstökonomie/umsonstökonomische Produktion in
größerem Maßstab organisiert werden?
Workshop 4: Einschlüsse und Ausschlüsse – Wer ist eigentlich dabei und
warum? Wer ist nicht dabei und woran liegt das? Wie können partizipative
Räume geschaffen und nicht-ausschliessende Praxen entwickelt werden?

Außerdem gibt es im Rahmen der “Demonetize – Eine Welt ohne Geld und
Warentausch – selbstorganisierte Kooperation” Workshop-Schiene, zu denen
sich auch die workshops oben zuordnen, zahlreiche weitere spannende
Workshops aus dem Themenfeld Umsonstökonomie/nicht-kommerzielle
Alternativen.

Sonntag Vormittag: Vernetzung der “Demonetize”-Menschen auf dem
Kongressgelände
Sonntag Nachmittag / Montag: Weitere Austauch- und Quatschmöglichkeiten in
der Schenke

Wenn ihr Interesse habt zu kommen, Fragen habt oder Unterstützung braucht,
bitte gerne melden!
dieschenke.org // schenke@geldlos.at

english version

Hey folks,

from 22.-24.2 2013 there will take place the second time in Vienna the
Congress of Solidarity Economy. www.solidarische-oekonomie.at

We as W.E.G/ Schenke (free shop and cafe) want to use this opportunity in
order to create a space before, at and after the congress where free
economy/non commercial orientated projects could exchange and “network” as
well as create and think about perspective and common ideas.

Therefore we would like to invite you to this event!

If there is the need we try to organize money for the transport so that it
is possible for everyone to come to Vienna. You can get sleeping places at
the congress but as well at our flats.

Until now the following is planed:

Thursday afternoon-evening: rallye in vienna: so you get to know a little
bit which projects exist here and we get together a little bit into the
topics; come together in the Schenke, space to get to know each other and
the different contexts we come from…

friday-saturday at the congress-space:
workshop 1: Knowledge of structures for an emancipative praxis: Which
praxis of solidarity economy has what degree of emancipative potential?
workshop 2: Theory of Free Economy – Critique and Perspectives
workshop 3: How can For-Free-Economics/For-Free Production be organized in
a bigger scale?
workshop 4: Inclusions and Exclusion – Who is part of it and why? Who is
not part of it and why not? How can participatory rooms be created and
non-exclusive practices be developed?

There are also many other thrilling workshops to similar topics in the
“demonetize – a world beyond money and exchange – selforganised
cooperation” workshop block, where the ones above are assigned too.

sunday morning: space for networking from “demonetize”-people at the congress
sunday afternoon / monday: space for talking, evaluation, relaxing at the
Schenke

If you are interested to come, have some questions, need support or
whatever, just tell us!
dieschenke.org //schenke@geldlos.at

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Entmonetarisierte Landnutzung konkret – Solidarische Landwirtschaft 2.0

Jan Hendrik-Cropp

Eine gekürzte Version dieses Artikels erschien in der aktuellen “Streifzüge”. Hier nun ganzer Länge und in Farbe.

Warum Entmonetarisierung?

Warum eine Entmonetarisierung der Landnutzung Not tut, sollte hinlänglich bekannt sein. Wir müssen das agrarpolitische Desaster auf den Äckern schließlich tagtäglich mit ansehen. Mit Entmonetarisierung meine ich hier die landwirtschaftliche Produktion unabhängiger von Geld oder anderen Tauschmitteln und ihrer eigenen Logik zu organisieren.

In unserer Praxis der Solidarischen Landwirtschaft organisieren 5 Gärtner_Innen und andere „Tätige“ die Gemüseproduktion für sich und 60 weitere Menschen, nach dem Leitsatz: Jede_r gibt nach seinen_ihren Fähigkeiten und bekommt nach seine_ihren Bedürfnissen. Das seit eineinhalb Jahren bestehende Experiment wurde in der letzten Ausgabe der Streifzüge reflektiert. Seine Praxis trägt zwar zur Überwindung einiger kapitalistische Prinzipien bei. Ein Schlüsselelement darin bleibt aber (paradoxerweise?) die freiwillige Beitragsfinanzierung zur Deckung der gärtnerischen Produktionskosten (Budget). Eine wertfreie Halbinsel also, die doch auf dem Meer der Verwertung schwimmt und ohne das sie untergehen würde?

An der Frage setzt dieser Artikel an und möchte Möglichkeiten und Grenzen unserer Praxis im Hinblick auf eine Entmonetarsierung der Landwirtschaft im Allgemeinen untersuchen. Ziel der Übung wäre eine schrittweise Verringerung der Budgethöhe durch direkte Bedürfnisbefriedigung ohne den Umweg des Geldes. Als Konsequenz würden die finanziellen Möglichkeiten der Beitragenden (diejenigen die Geld, Ressourcen oder Fähigkeiten einbringen und nach Bedarf das Gemüse essen) weniger wichtig für das Gelingen des Projektes.

Wofür das Geld?

Im ersten Projektjahr gab es keine konkrete Zieldefinition. An dieser wurde nun gefeilt und die folgende Ziele in unserer Gruppenvereinbarung fest gehalten:

* Die Befriedigung des Bedürfnisses nach ökologisch erzeugtem Gemüse aus Witzenhausen-Freudenthal aller Beteiligten im vereinbarten Zeitraum.
* Die Befriedigung jener Bedürfnisse (auch finanzieller Art) die bei Personen dadurch entstehen, dass sie zum Erreichen des oben genannten Ziels tätig sind (z.B. die Gärtner_Innen).
* Eine nicht-kommerzielle Befriedigung dieser Bedürfnisse wo immer möglich. Eine finanzielle / monetäre Befriedigung dieser Bedürfnisse wo immer nötig.

Die Losung zur Entmonetarisierung ist damit formuliert. Was aber sind die finanziellen Bedürfnisse des Projektes? Prinzipiell ist das der finanzielle Bedarf der im Projekt Tätigen (diejenigen die die Produktion, Logistik etc. so umfänglich organisieren, dass sie dafür bisher einen“Lohn“ brauchen), laufende Produktionskosten und Investitionen. Wie und durch wen dieser Bedarf nicht-monetär gedeckt werden könnten, darum soll es im folgenden gehen.

Möglichkeiten der Entmonetarisierung

Freiwillige Einfachheit und Quersubventionierung

Ein Ansatz zur Entmonetarisierung wäre ein Alltag in freiwilliger Einfachheit der im Projekt Tätigen: Also ein undogmatischer Versuch aus einem politische Anspruch heraus möglichst wenig zu konsumieren und Geld auszugeben ohne die eigene, persönliche Lebensqualität zu mindern: Containern, trampen, couchsurfen, oder gemeinsame Nutzung von Gebrauchsgegenständen… Direkte Konsequenz: Weniger finanzieller Bedarf. Ein erster pragmatischer, individueller; kein oder nur teilweise transformatorischer Ansatz zur Entmonetarisierung.

Eine andere praktizierte Alternative ist es seine Tätigkeit im Projekt mit anderen monetäre Einkommen quer zu subventionieren die die Selbstbestimmung der eigenen Wahrnehmung nach wenig beschneiden: Von gut bezahlter, teilzeitiger Lohnarbeit über staatliche Transferleistungen, familiäre Unterstützung oder Vermögen bis Fundraising fürs Projekt und gemeinsame Kasse mit anderen Menschen kann das alles sein. All das kann für die Einzelnen sinnvoll sein. Solange diese Gelder allerdings zur Deckung laufend anfallender Kosten genutzt werden ist eine nachhaltige Entmonetarisierung nicht gewährleistet, sondern vielmehr eine Freistellung der Landnutzung auf Kosten andere monetarisierte Gesellschaftsbereiche. Flössen diese Mittel in bestimmte Investitionen (s.u.) sähe es vielleicht anders aus.

Direkte Bedürfnisbefriedigung der Tätigen durch unterstützende Netzwerke

Eine erste Voraussetzung um Bedürfnisse direkt zu befriedigen ist es, diese transparent zu machen. Zwar ist es oft selbsterklärend, dass die Bedürfnisse hinter finanziellen Bedarfen so Dinge wie Mobilität, Wohnung, Essen, Heizung, Kommunikation usw. sind. Aber oft wird ohne diese Bewusstmachung gar nicht erst über Alternativen zum Kauf nachgedacht.

Diese direkte Bedürfnisbefriedigung kann nun jeweils auf zwei Ebenen abgedeckt werden. Nämlich durch Fähigkeiten oder Ressourcen innerhalb oder außerhalb des Projektes. Um das zu veranschaulichen ein paar Beispiele:

Bedürfnis der Tätigen nach …

* … Raum zum Wohnen oder als Verteilpunkt für Gemüse: Entweder der gewünschte Raum (Hof, Wohnung, Bauwägen / Garage, Innenhof) wird den Tätigen durch Unterstützer_Innen günstig oder mietfrei zur Verfügung gestellt. Oder die Tätigen suchen sich entmonetarisierten Wohnraum in anderen Zusammenhängen (z.B. Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit)
* … weiteren Nahrungsmitteln: Die Produktionspalette wird im Projekt oder durch Integration anderer Höfe ins Projekt ausgeweitet oder die Tätigen nutzen andere Projekte Solidarischer Landwirtschaft.
* … Entspannung und Gesundheit: Entweder es gibt Ärzt_Innen und Masseur_Innen im Netzwerk die ihre Leistungen kostengünstig oder gar frei zur Verfügung stellen oder die Tätigen nutzen anderen Solidargemeinschaften (Skillsharing-Netzwerke / Artabana).
* … Gebrauchgegenständen (privat oder für den Produktionsprozess): Entweder Leute aus der Projektgruppe (Tätige plus Beitragende) stellen das Notwendige zur Verfügung (z.B. ein Auto) oder es gibt einen regionalen Ressourcen-Pool (Menschen teilen ihre Dinge) außerhalb des Projektes durch das die Dinge nutzbar sind.
* … Wartung und Reparatur der Produktionsmittel: Entweder eine Arbeitsgruppe in der Projektgruppe mit entsprechenden Fähigkeiten kümmert sich darum oder es wird wiederum das regionale Skillsharing-Netzwerk (Menschen teilen ihre Fähigkeiten) bemüht.

Um die Bedürfnisbefriedigung innerhalb zu gewährleisten braucht es auf der Beitrags-Seite Transparenz. In unseren diesjährigen Vereinbarungen konnten Menschen daher nicht nur finanzielle Beiträge sondern auch ihre Fähigkeiten und Ressourcen zusichern. Auf dieser Grundlage können dann Arbeitsgruppen innerhalb der Projektgruppe gebildet werden (z.B. AG Reparatur und Wartung).

Muss auf Strukturen und Netzwerken außerhalb der Projektgruppe zugegriffen werden stellt sich die Frage ob diese vorhanden sind. Wenn ja braucht es eventuell eine Arbeitsgruppe die eine Zusammenarbeit bzw. -führung organisiert. Wenn nein bräuchte es Menschen die diese aufbauen. Hier könnte eine erste Grenze liegen: Fehlende Kapazitäten in der Region. Aber dazu später mehr.

Verringerung der Produktionskosten durch Aufbau von autonomer Infrastruktur

Ein weiterführender Schritt zu Entmonetarisierung wäre dann der Aufbau von autonomer Infrastruktur um den Produktionsprozess vom fossilistisch-kapitalistischen System abzukoppeln und private Ressourcen nicht nur zu Teilen sondern zu Kollektivieren. Das Ziel wäre daher eine solare, sich selbst-erhaltenden Produktion. Auch hierfür einige Beispiele:

Infrastruktur für …

* … eigene Saatgutproduktion: (Nahrungs- sowie Gründüngungskulturen): Eigene Drescher, Trocknung, Reinigung und Aufbewahrungsmöglichkeiten.
* … eigene Düngerproduktion: Ergänzend zur Gründüngung, hygenisierte Rückführung der menschlichen Ausscheidungen durch Fermentierung, Kompostierung.
* … eigene Treibstoffe: Ölmühlen und Biogasanlagen für umgerüstete Fahrzeuge.
* … eigene Räumlichkeiten: Freikauf von Hof, Hallen, Scheunen, Verteilpunkten usw.
* … eigene Fahrzeuge: Kollektive Nutzung von Fahrzeugen und deren Umrüstung auf Biotreibstoffe aus der Region organisieren.
* … eigene Werkstätten: Um Werkzeug nicht zur zu teilen sondern zu kollektivieren bzw. einen Ort der gemeinsamen Nutzung zu haben.
* … eigene Strom und Wärme: Kraft-Wärme-Kopplung auf Biomasse-Basis oder Solarthermie.
* … eigenes Wasser: Brunnen und ökologisches Abwassersystem

Ähnliche Strukturen (Maschinenring, Carsharing, Biogastankstellen, Energiegenossenschaften etc.) existieren; aber nicht in einer kollektiven, nicht-kommerziellen Form sondern als marktförmige Unternehmen. Dem würden eine Form entgegen stehen, die das Privateigentum unschädlich macht indem die Infrastruktur an eine Rechtsform übergeben wird, die eine bestimmte, nicht-kommerzielle Nutzung auf Dauer festschreibt. Eine Beteiligung an den erwähnten, bestehenden Angebote ist zwar unbedingt sinnvoll aber ein Dialog über eine eventuelle Entmonetarisierung genauso notwendig.

Für den Aufbau einer entsprechender Infrastruktur bedarf es, so sie nicht in der Projekgruppe oder über andere Netzwerken beschaffbar ist, Kapital. Dieses kann ebenso entweder innerhalb des Projektes durch finanzielle Beteiligungen für Investitionen mobilisiert werden oder durch eine Kampagne außerhalb um Kapital für diese Idee anzuziehen. Überlegenswert ist die Schaffung eines überregionalen Fonds in denen wohlgesinnte und gleichzeitig wohlhabende Unterstützer_Innen einen sicheren Hafen für ihr sich immer weiter entwertendes Kapital finden könnten. Schließlich gibt es hier handfeste Gegenwerte; allerdings ohne oder mit nur minimaler Rendite. Trotzdem könnte es den Zeitgeist bürgerlicher Unsicherheit treffen.

Probleme auf dem Weg dieser Entmonetarisierung

Soweit, so gut. Aber so einfach wird es dann wahrscheinlich doch nicht. Auf einige mögliche Schwierigkeiten während dieses Prozesses lässt sich jetzt schon hinweisen.

Erstens ist und bleibt Geld extrem praktikabel. Als Äquivalent und Tauschmittel für Alles auf dem extrem diversen Warenmarkt lässt sich mit ihm ein Bedürfnis sehr exakt befriedigen. Es bleibt auszuprobieren ob wir auch nicht-monetär genau das bekommen was wir brauchen.

Zweitens und damit verbunden, ist das Problem einer mangelhaften Bedürfnisbefriedigung bei der Fixierung auf den nicht-monetären Weg. Das Ausbluten einzelner wegen der daraus entstehenden Unzufriedenheit bedarf einer extrem guten Selbstkenntnis und Ehrlichkeit seiner eigenen Bedürfnisse gegenüber.

Drittens bleibt ein begrenzender Faktor, selbst wenn alle Ressourcen, Fähigkeiten, alles Kapital und alle Infrastruktur vorhanden ist. Dieser lautet: Zeit. Zeit der Einzelnen, um im Projekt tätig zu sein und all die aufgezählten, Netzwerke, Infrastrukturen usw. aufrecht zu halten. Diese Zeit ist nur vorhanden wenn in nicht-monetären Strukturen die Existenz und Selbstverwirklichung der Einzelnen gesichert und wenig Zeit für Lohnarbeit oder andere Maßnahmen der Geldbeschaffung nötig sind.

Viertens stellt sich die Frage warum diese Trennung von „innerhalb“ und „außerhalb“ des Projektes überhaupt gemacht wird. Wäre es nicht sinnvoller keine klaren Grenzen zu ziehen und sich als ein großes Netzwerk zu begreifen?

Nun, eine Unterteilung in Kleinprojekte macht aus zweierlei Gründen Sinn: Erstens braucht es Verbindlichkeit, Verantwortung und Vertrauen. Große, zwangläufig anonyme und stark fluktuierende Strukturen schaffen dies nicht. Zweitens würde eine große Struktur die all die oben genannten Initiativen umfasst den Einzelnen mit Überforderung erschlagen. Sinnvoller scheint daher der nachhaltige Aufbau der verschiedenen kleinen Teilprojekte die langsam wachsen, sich notwendigerweise mit anderen Initiativen vernetzen und dann potentiell zusammenfließen können.

Fünftens und letztens bleiben bestimmte Bereiche schwieriger selbst organisierbar. Eine nicht-monetäre Alternative zu Versicherungen beispielsweise wäre nur ein Vertrauen in unterstützende Netzwerke. Des weiteren gibt es Maschinen und Technik die einer globalen Produktionskette bedürfen und deren selbstorganisierte Machbarkeit in nicht-kommerziellen Strukturen fragwürdig bleibt.

In diesem Sinne: Spannen wir Brücken zwischen den Halbinseln und schreiten wir fragend voran …

Beispiele für …

* … die Entschärfung von Eigentum – Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit – http://gegenseitig.de/
* … Soldarische Landwirtschaft – http://www.solidarische-landwirtschaft.org/
* … einen Ressourcenpool – WhoPools – http://www.whopools.net/
* … eine SkillSharing-Plattform – Just for the love of it – http://justfortheloveofit.org/

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Die post-revolutionäre Möhre. Hier und Jetzt.

Solidarische Landwirtschaft auf dem Weg zur Schenkökonomie
von Jan-Hendrik Cropp

Wir, ein Kollektiv von fünf „Gärtner_innen“, suchten uns eine Gruppe von 60 Personen, die „Begärtnerten“, die von uns durch die Bearbeitung von 5000 qm Ackerfläche im nordhessischen Witzenhausen-Freudenthal mit Gemüse von April bis November versorgt werden wollten. Zusammen formten wir eine verbindliche Gemeinschaft.
Wann und wieviel wir Gärtner_innen in diesem Projekt arbeiten, nein besser, tätig sein wollen, wurde von jedem einzelnen selbstverantwortlich und je nach Bedürfnissen (flexibel) festgelegt und im Kollektiv vereinbart. Der Teil unserer finanziellen Bedürfnisse („Lohn“), der über das Projekt befriedigt werden soll, wurde weitgehend unabhängig von dieser Tätigkeitszeit bestimmt und mit den laufenden Betriebskosten (ohne Investitionen) zu den Gesamtkosten (Budget) einer Jahresproduktion zusammengerechnet.
Die Begärtnerten boten dann anonym einen auf den Zeitraum der Produktion verbindlichen, monatlichen finanziellen Beitrag, der ihren Möglichkeiten entspricht. Von null Euro aufwärts war und ist alles möglich. Diese Zusage und andere Punkte (Entscheidungsfindung, Ausstiegsgründe, Scheiterkriterien, gemeinsame Übernahme von Verantwortung und Risiko, Kommunikation etc.) wurden in einer Vereinbarung schriftlich und verbindlich festgehalten und unterschrieben. Das zuvor beschriebene Budget wurde mit diesen freiwilligen finanziellen Beiträgen gedeckt, woraufhin der genaue Bedarf an Gemüse abgefragt und mit der Produktion des Gemüses begonnen wurde.
Die Ernte wird der Gemeinschaft von Begärtnerten in Depots frei zur Verfügung gestellt. Die Verteilung vor Ort organisiert die Gemeinschaft je nach den individuellen Bedürfnissen. Es gibt keine genormten „Gemüsekisten“, sondern jede_r nimmt, was gebraucht wird. Ein weiteres Mitwirken am Projekt durch Mitarbeit, Erntesicherung / Einmachen und das Einbringen von weiteren Fähigkeiten steht den Mitgliedern frei, ist aber erwünscht und wird gemeinsam organisiert.
Durch dieses Experiment sollen kapitalistische Prinzipien in unserem Verhältnis zueinander überwunden und transformiert werden:

Freiwilliges Beitragen und Schenken statt Tausch, Wert, Ware

* Niemand muss, alle können nach ihren Fähigkeiten (u.a. finanziell) beitragen.

* Bedürfnisse werden erhoben und ihnen entsprechend wird produziert. Daher werden den Leuten keine Waren mehr vor die Füße geschmissen, für die sie dann doch bitte auch ein Bedürfnis haben sollen; sondern Bedürfnisse werden formuliert und die Produktion wird dafür selbst organisiert.

* Die Produkte haben keinen Tausch- bzw. Geldwert. Damit werden Dinge nicht abstrakt gleichgesetzt wie im Kapitalismus: Alles, was einen Euro kostet, ist gleich viel „wert“. Alles, was nix kostet, ist nix „wert“.

* Daher entfällt Geld als primäre Wertschätzung und es kann mit neuen Formen der Wertschätzung experimentiert werden; durch Worte, Gesten und vor allem gegenseitige Verantwortung.

Freies Tätigsein statt abstrakter Arbeit in Konkurrenz

Tätigkeit wird zu Arbeit und Arbeit zur Last, wenn unsere Produkte auf dem Markt einen Wert erzielen müssen oder wir primär für einen Lohn arbeiten.
In unserem Projekt müssen wir beides nicht: Wir liefern keine normierten Waren und unsere finanziellen Bedürfnisse werden von vornherein abgedeckt.
Daher können wir Anbauweise und Arbeitsabläufe frei bestimmen, um unsere und die Bedürfnisse anderer Menschen zu befriedigen.
Kommt es zu Problemen, lösen wir diese nicht wie in der Gesellschaft der Vereinzelten mit dem Ellenbogen und dem „Ausschalten von Konkurrenten“ sondern durch kollektive Lösungsfindung.
*Zur Entstehung dieses Textes: Er wurde von mir selbst als persönliche Reflexion verfasst und spricht deshalb hauptsächlich für mich. Allerdings wurde er auch der gesamten Gemeinschaft vorgelegt und etwaige Kommentare wurden berücksichtigt.

Knapp 11 Monate nach Beginn des Projektes haben sich allerdings einige Problemfelder in unserem Projekt aufgetan. Deren Analyse halte ich für wichtig, wenn Projekte über die Waren- und Tauschgesellschaft hinausweisen wollen:

Problemfeld 1

Der verinnerlichte Kapitalismus im Kollektiv

Das Problemfeld betrifft vor allem uns als Kollektiv von Gärtner_innen. Was Tausch und Geld im Kapitalismus so hervorragend machen, nämlich Menschen und Tätigkeiten zu vergleichen und gleichzusetzen, verschwindet in einem weniger kapitalistischen System nicht sofort. Diese Verhaltensweisen scheinen wir tief verinnerlicht zu haben. Wir, also einmalige Individuen, die im Kollektiv zusammenarbeiten, vergleichen weiterhin, wieviel Zeit wir in das Projekt investieren. Wir bekommen ein schlechtes Gewissen, weil wir „zu wenig“ tun, oder werden grummelig, weil wir „zu viel“ tun. Schnell kommt es zu Situationen, in denen wir uns für unsere Bedürfnisse (die ja so sind wie sie sind) rechtfertigen wollen, oder denken, dass wir es müssen. Oft ist es gar nicht das Kollektiv, das diesen Druck erzeugt, sondern wir, die Individuen selbst. Denn schließlich ist unser Kopf vom allgegenwärtigen Kapitalismus vollkommen durchzogen.
Eine schnelle Abhilfe für das Problem scheinen die üblichen Abstraktionen des Kapitalismus zu bieten. So geschieht es beizeiten auch in unserem Kollektiv: Ein Ruf nach einer Abstraktion der Zeit in greifbare „Arbeitsstunden“ oder „Urlaubszeiten“ wird laut. Und darauf aufbauend: Das Verlangen nach einem abstrakten Gerechtigkeitsbegriff. Statt zu sagen: „Es soll allen gut gehen mit dem, was und wieviel sie tun“, sagen wir schnell: „Alle sollen das gleiche Maß an Arbeit verrichten bzw. die gleiche Anzahl an Urlaubswochen haben“. Nicht nur, dass eine Stunde an einem Tag sich anfühlen kann wie acht Stunden an einem anderen. Nein, wer Arbeitsstunden normieren will, ist auch schnell dabei, die ganze Tätigkeit zu normieren: Was zählt als Arbeitszeit? Welche Tätigkeit ist wichtig, welche nicht? Was, wenn eine Person schneller oder „effizienter“ (was ist das?) arbeitet als die andere? Diese Fragen und Probleme und die Erkenntnis, dass es statt Gleichmacherei darum gehen sollte, dass sich alle Beteiligten wohl fühlen, führen diese Abstraktions-Versuche schnell ad absurdum.
Ähnlich schwierig zu akzeptieren scheint auch die Gleichgewichtung aller Tätigkeit außerhalb der Projektes zu sein. Es sollte schließlich egal sein, ob einzelne außerhalb des Projektes (freiwillig) an der Uni büffeln oder in der Badewanne mit einem Glas Sekt liegen und sich ein gutes Buch zu Gemüte führen. Diese Akzeptanz erfordert allerdings eine hohe Selbstverantwortung und ein gutes Reflexionsvermögen.
Hinzu kommt: Der Acker ist vor der Tür. Wir wohnen zwar in verschiedenen WGs, aber doch zusammen auf einem Hof, und die räumliche Nähe führt zu einem Gefühl sozialer Kontrolle, das die oben beschriebenen Tendenzen verstärkt. Wir bekommen schließlich alles von den anderen mit. Ob eine räumliche Distanz das Problem löst oder nicht vielmehr beiseite schiebt, bleibt dahingestellt. Eine Lösung wären klare Vereinbarungen (z.B. feste Tage und Zeiten, in denen man im Projekt tätig ist) und trotzdem ein flexibler Umgang damit (z.B. andere spontane Absprachen, wenn die Zeiten mal nicht passen), um den Bedürfnissen der einzelnen im Jetzt den angemessenen Respekt zu zollen. Dann kann kollektiv nach einer Problemlösung gesucht werden, statt individuelle Schuldzuweisungen und Selbstausbeutungs-Forderungen zu formulieren. Angenommen, eine_r von uns ist überlastet, dann kann so z.B. gemeinsam nach Mithilfe gesucht werden, um der_dem Betroffenen entsprechenden Freiraum zu gewähren. Dennoch bleibt diese Frage bestehen und muss kontinuierlich neu beantwortet werden: Wie stehen individuelle Bedürfnisse im Jetzt und Verantwortung für im Kollektiv getroffene Vereinbarungen zueinander? Klar ist beides wichtig. Eine Grenze ist allerdings überschritten, wenn selbstbestimmte Tätigkeit zu abstrakter, entfremdeter Arbeit wird und es Menschen dadurch mittelfristig schlecht geht.
Wenn Tätigkeit wieder zur abstrakten Arbeit wird (ein fließender Übergang?), wird „der Rest der Zeit“ schnell wieder zur „Freizeit“. Letzteres macht Spaß. Das erstere „muss getan werden“. Sollte die aktuelle „Arbeits“situation tatsächlich unerträglich sein, kann die Wiedereinführung dieser Trennung in Arbeit und Freizeit ein Rettungsanker sein. Eine Möglichkeit zu sagen: Bis hierher und nicht weiter. Dazu braucht es aber sehr wahrscheinlich die oben beschriebene Normierung von Zeit und Tätigkeit. Wenigstens für eine_n selbst: „Ich hab so und so viel gearbeitet – deshalb hab ich jetzt frei!“ Eine Überwindung dieser Trennung und ein konkretes Tätigsein statt einer abstrakten, entfremdeten Arbeit sollten aber weiterhin die Losung bleiben.
Auch in unserem Tätigsein können sich andere (z.B. feministische) Ansprüche verlieren. Wenn das Gemüse ruft und wir alle Hände voll zu tun haben, stellt sich stereotypes Verhalten ein und bleibt wenig Zeit, unsere Privilegien zu reflektieren und uns gegenseitig Fähigkeiten beizubringen, vor deren Aneignung wir sonst Scheu hätten. Oder ich (ein männlich sozialisierter Gärtner) habe den ganzen Tag auf dem Acker verbracht, komme zurück in meine WG und ärgere mich darüber, dass ich, gerade ich (!), es bin, der um neun Uhr Abends noch anfangen „muss“ (!) zu kochen und zu spülen, weil es niemand anderes gemacht hat. Als ob die anderen Mitbewohner_innen nichts zu tun gehabt hätten. Wir wollen die geschlechtliche Arbeitsteilung (produktiv / „männliche“ vs. reproduktiv / „weibliche“) überwinden? Pustekuchen!
Allgemein sei auch noch angemerkt, dass Landnutzung, um sie fachlich gut und angepasst betreiben zu können, ein mehrjähriges Engagement verlangt, das in Zeiten steigender Flexibilisierung und Unverbindlichkeit nicht so leicht organisierbar ist, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheinen könnte. Wir haben uns im Kollektiv auch nur für ein Jahr zusammengetan.
In diesem Sinne abschließend noch ein kleiner Seitenhieb in Richtung Revolutionsromantiker: Selbstbestimmung und Selbstverantwortung entstehen also nicht automatisch mit dem Wegfall der kapitalistischen Strukturen. Dies ist zwar eine notwendige Voraussetzung. Hinreichend wird es aber erst, wenn wir uns vom Kapitalismus in unserem Kopf befreien. Und dies ist ein langwieriger, kollektiver genauso wie individueller Prozess.

Problemfeld 2

Lustprinzip und Verantwortung

Auch in einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft braucht es Verantwortung und Verbindlichkeit. Wir haben einer Gruppe von 60 Menschen zugesagt, für sie Gemüse zu produzieren. Damit rechnen sie. Zwar kann durch den weiterhin bestehenden Zugang zum kapitalistischen Markt ein Ernteausfall durch den Gang zum Supermarkt oder Container abgefedert werden. Aber die Vermeidung eines solchen Rückgriffs ist ja erklärtes Ziel des Projektes. Zwar ist anzunehmen, dass eine vernetzte, nicht-kapitalistische landwirtschaftliche Produktion entsprechende Lücken in der Versorgung durch Risikostreuung (verschiedene Anbaustandorte etc.) überbrücken kann. Aber (vielleicht) nicht, wenn alle Beteiligten (v.a. die Produzierenden) unbedingt dem Lustprinzip („Ich mach, wozu ich Lust habe.“) folgen. Das Lustprinzip kann zwar eine Leitlinie sein. Allerdings ist Landnutzung vor allem die Kunst, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Da kann die Witterung ein Handeln erzwingen, auf das mensch gerade keine Lust hat. Das erzeugt Druck. Druck, der aus gegenseitiger Abhängigkeit, Verantwortung und Verbindlichkeit und aus einem Arbeiten mit der Natur entsteht. Auch dieser wird in einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft nicht gänzlich verschwinden. Wir mussten uns dieses Jahr zum Beispiel durch eine beispiellose Trockenheit kämpfen: Die Pflanzen warten nicht darauf, bis jemand Lust hat, sie zu gießen. Sie vertrocknen einfach. Diesen Druck erzeugen wir allerdings auch durch uns selbst. Lohnenswert bleibt deshalb darüber nachzudenken, welches Handeln wir gerade für unbedingt erforderlich halten und welches nicht. Wie weit wollen wir das Lustprinzip hinten runterfallen lassen? Was passiert mit meiner Lust, wenn alles vertrocknet und es nix mehr zu ernten gibt? Wie weit geht unsere Verantwortung für andere? Ähnlich wie bei der Balance zwischen Kollektiv und Individuum bleibt es auch bei Lustprinzip und Verantwortung ein Lernprozess, die Situationen richtig einzuschätzen und aus Fehlern zu lernen.

Problemfeld 3

Abhängigkeit vom Kapitalismus und die Frage nach dem technischen Niveau

Es ist leider unmöglich, das technische Niveau einer nicht-kapitalistischen landwirtschaftlichen Produktion abzusehen. Dafür müsste die Grundlage des technischen Potentials, nämlich die Rohstoffe dieser Erde, als globales Gemeingut eingerichtet werden. Dann könnte darüber verhandelt werden, ob überhaupt, wie und für welche Technik wir sie als Menschheit verwenden wollen. Die Ergebnisse dieses hypothetischen Aushandlungprozesses bleiben zwangsläufig unbekannt. Deshalb wird es zu dem Thema, welches technische Niveau einer nicht-kapitalistische Produktion angemessen ist, unterschiedlichste Einschätzungen geben.
Diese Unklarheit spielt in unserem landwirtschaftlichen Projekt folgendermaßen eine Rolle: Durch den Kauf moderner Technik greifen wir erstens auf die kapitalistische Gesellschaft und ihre Durchsetzungsmechanismen von Landraub, Vertreibung und Umweltzerstörung durch Rohstoffgewinnung und industrielle Produktion zurück. Deshalb können wir den Menschen, für deren Nahrungmittelversorgung wir Verantwortung übernehmen, nicht versprechen, dass es Traktoren und Landmaschinen in der heutigen Form in einer nicht-kapitalistischen Welt weiterhin geben wird. Schlimmer noch könnte es sein, dass das Wissen um weniger technisierte Anbauverfahren in der Zwischenzeit verloren geht und damit die Nahrungsmittelversorgung in Frage gestellt wird.
Ganz konkret entsteht durch den Rückgriff auf die kapitalistischen Durchsetzungsmechanismen besonders dann ein Bedürfniskonflikt, wenn ich mich nach Rationalisierung und effektiver „Arbeitswirtschaft“ statt „Selbstausbeutung“, durch arbeitserleichternde Landmaschinen sehne und sich auf der anderen Seite eine Bäuerin in Bergbaugebieten in Chile wünscht, dass ich dem kapitalistischen Zwangssystem, das ihre Lebensgrundlage zerstört, keinen Vorschub leiste, indem ich darauf basierende Waren kaufe.
Wollen oder können wir die Produktion von Landmaschinen nicht selbst organisieren, können wir dem Dilemma aus dem Weg gehen, indem wir die nicht-kapitalistische landwirtschaftliche Produktion mit wenig technisierten Verfahren organisieren und bei der Anschaffung neuer Geräte auf die lange Haltbarkeit, einfache Reparierbarkeit, Recycelbarkeit und Durchschaubarkeit der Technik achten, sowie deren ökologische Verträglichkeit in Produktion und Nutzung, sowie den Enfremdungsgrad für die Produzierenden und Nutzer_innen prüfen. Die eventuell entstehende Mehrarbeit in einem wenig technisierten System könnte auch, wenn gewollt, von der Gemeinschaft um das Projektkollektiv erledigt werden, um einem Gefühl der Selbstausbeutung und Monotonie der Hauptproduzierenden vorzubeugen.
Ein weiterer Schritt, um die Abhängigkeit vom Kapitalismus zu mindern, wäre es, die laufenden Kosten zu minimieren, d.h. das Produktions-System unabhängiger von Geld-Inputs zu machen. Größere Investitionen in Infrastruktur sollten dann nur getätigt werden, wenn sie uns langfristig unabhängiger von Geld-Inputs machen: ausgeklügelte Handmaschinen, Ölpressen zur Kraftstoffgewinnung, Infrastruktur / Geräte zur eigenen Saatgut-Gewinnung; oder andere Betriebe in das Netzwerk integrieren, die diese Möglichkeiten haben.

Problemfeld 4

Fehlende Selbstorganisation im Netzwerk und Erweiterung des Konzeptes

Genauso wie wir Gärtner_innen in unserem Tätigsein Aspekte der „arbeits-wahnsinnigen“ Gesellschaft verinnerlicht haben, so haben die „Begärtnerten“ sehr wahrscheinlich eine Konsumhaltung verinnerlicht. Gerade auch der freiwillige, monatliche finanzielle Beitrag kann diese Haltung verstärken. Während sich einige eine weitreichende Selbstorganisation als radikales Experiment gegen den Kapitalismus wünschen, ist anderen die „alternative Gemüsebeschaffungsmaßnahme“ revolutionär genug. Wichtig, um Enttäuschungen durch diese Tendenz vorzubeugen, kann die Formulierung der gemeinsamen Vision sein und darauf folgend die selbstbestimmte, aber verantwortliche Übernahme von anfallenden Aufgaben (in der oder um die Produktion herum) je nach den Fähigkeiten und Wünschen der „Begärtnerten“. In diesem Dialog können dann auch Hindernisse auf dem Weg der Selbstorganisation (Prioritätensetzung, Zeit- und / oder Geldmangel, fehlende Transparenz, Unlust etc.) gemeinsam beschrieben und überwunden werden.
Wenn die Vision auch eine Ausweitung der schenkökonomischen Prinzipien auf andere Lebensbereiche beinhaltet, macht es Sinn, eine Vernetzung mit anderen umsonstökonomischen Projekten anzustreben und zu forcieren. Innerhalb des Projektes wäre es weiterhin auch möglich, die Bedürfnis-Befriedigung der „Produzierenden“ (d.h. uns Gärtner_innen), nicht durch Geld, sondern durch die Fähigkeiten der Gemeinschaft zu decken. So könnte ein Begärtnerter, der gleichzeitig Arzt ist, andere in der Gemeinschaft, vor allem aber die Gärtner_innen, umsonst behandeln. Oder der Schlosser im Netzwerk könnte unsere Maschinen umsonst reparieren. Damit werden scheinbar erst mal unvermeidbare finanzielle Kosten (hier z.B. Geld für Krankenversicherung oder Werkstattkosten) irgendwann wegfallen.

Problemfeld 5

Investitionen in und Zugang zu Produktionsmitteln

Das oben beschriebene Budget beinhaltet weder den Kauf von Hof und Land noch die Investition in teurere Produktionsmittel. Hierfür müssen Lösungen gefunden werden: Zum Beispiel durch das Abschreiben und Einbeziehen der Investitionen in das Budget oder die Einrichtung eines Fonds für nicht-kapitalistische Projekte, in den geneigte und betuchte Menschen Gelder investieren, die dann entweder eine Sicherheit für Kredite bieten oder direkt für den Kauf von Produktionsmitteln verwendet werden. Beispiele dafür gibt es z.B. in Frankreich.
Diese Produktionsmittel sollten dann für ein langfristig angelegtes nicht-kapitalistisches Experiment unumkehrbar entprivatisiert werden. Dafür braucht es eine Rechtsform, die genau diese nicht-kapitalistischen, ökologischen Nutzungsbestimmungen festschreibt und verankert. Dies würde auch der Forderung Rechnung tragen, dass Land von jenen bewirtschaftet werden sollte, die es am ehesten im Einklang mit den Bedürfnissen der zu versorgenden Gemeinschaft und den ökologischen Gesetzmäßigkeiten nutzen.

Problemfeld 6

Der Zugang zu den zur Zeit begrenzten nicht-kapitalistischen Erzeugnissen

Ähnlich wichtig wäre die Beantwortung der Frage danach, wer Zugang zu den nicht-kapitalistischen landwirtschaftlichen Erzeugnissen bekommt. Nicht-kapitalistisches Gemüse ist unter jetzigen Verhältnissen ein begrenztes Gut. Die Wartelisten von uns ähnlichen Höfen zeigen auch, dass sich das Problem nicht „einfach“ bzw. kurzfristig mit der „Neugründung weiterer Projekte“ oder der „Vergrößerung“ bestehender Projekte lösen lässt. Dies wäre die ideale Lösung und ihr sollte die meiste Energie zufließen.
Wer hat also Zugang zu den Erzeugnissen? Diejenigen, die als erste da waren? Die mit den besseren persönlichen Connections? Auf jeden Fall nicht (nur) diejenigen, die (am meisten) zahlen? Oder jene, die die brauchbarsten Fähigkeiten einbringen? Wohl eher auch nicht. Schließlich geht es um die Entkoppelung von Geben und Nehmen. Ohne die Frage abschließend beantworten zu können, bleibt klar: Das finanzielle Budget des Projektes muss gedeckt werden. Und alle Beteiligten sollen glücklich sein. Im Ergebnis wohl ein weiterer Aushandlungsprozess.
Eine weitere Frage des Zugangs stellt sich, wenn wir reflektieren, dass unser Projekt zumeist aus Menschen der weißen Ober- und Mittelklasse besteht. Was ist mit sozial Ausgegrenzten? Wir stellen unser Gemüse zwar auch illegalisierten Migrant_innen in der Umgebung zur Verfügung. Diese sind allerdings nicht organisiert, wurden an den Stadtrand gedrängt, und es bestehen deshalb Barrieren auf Grund fehlender Mobilität (keine Fahrräder, kein Geld für die Öffentlichen), sozialer Isolation und auch unterschiedlicher Sprachen. Die Abholung und Verteilung der Produkte steht und fällt deshalb mit den wenigen Migrant_innen, bei denen diese Barrieren überwindbar sind und zu denen wir deshalb einen Kontakt aufbauen konnten. Hier wäre kontinuierlicher Austausch mit den Menschen vor Ort nötig. Einfacher hingegen könnte die Arbeit mit organisierten Zusammenhängen sein (z.B. Erwerblosen- und Flüchtlingsinitiativen), zu denen wir Kontakt aufzubauen versuchen.

Die Zukunft. Kommende Herausforderungen

Überzeugt von dem Potential dieser Idee erwarten wir, dass sich in Zukunft Fragen nach der Erweiterung auf zwei Ebenen stellen.
Wir könnten regional mehr Gemüse und auch mehr Produkte nach diesem Modell organisieren. Hier sind Imker_innen und Obstbäuer_innen bereits am Grübeln. Allerdings stellt sich die Frage der Organisierung neu, wenn immer mehr Menschen in einer Region Teil des Projektes werden. Wie können wir uns in Großgruppen methodisch organisieren? Ab wann müssen wir uns aufteilen und wollen wir delegieren?
Außerdem könnten wir uns überregional umschauen, wo unser Wein und unsere Avocados herkommen könnten. Wer stellt diese zu Verfügung? Was für Bedürfnisse haben deren Produzent_innen? Können wir dazu irgendetwas beitragen? Wird es dann nicht wieder zum Tausch? Kohl wollen sie in Spanien als Gegenleistung doch eh nicht haben.
Wenn die beschriebene Gegenseitigkeit also weiter ausgedehnt werden soll, wird es umso komplizierter. Es stellen sich ganze neue Fragen der Organisierung, Bedarfserfassung, Logistik, Ausstattung und Finanzierung. Fragen also, die wohl am besten im Tun beantwortet werden können.
Abschließend sei auch noch auf das „Netzwerk Solidarische Landwirtschaft“ (http://www.solidarische-landwirtschaft.org/) hingewiesen, das versucht bestehende, ähnliche Projekte zu vernetzen, Neugründungen zu unterstützen und die Idee in der Öffentlichkeit bekannter zu machen.

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Lernwerkstatt 2012

Auch 2012 wollen wir im Rahmen unserer Lernwerkstatt Veranstaltungen organisieren und laden alle Interessierten dazu
ein, sich bereits in die Vorbereitung einzubringen.

Zu folgenden Themen wollen wir kürzere und längere Veranstaltungen organisieren:

- Tango

- Swing

- OpenSource (freie Software)

- Weltwirtschaft für AnfängerInnen

- Philosophie als internet Seminar – geht das?
Wir haben im vergangenen Jahr ein philosphisches internet-Seminar eingerichtet und wollen nun in persönlicher
Diskussionsrunde mit Menschen erörtern, ob es möglich ist, in dieser Form zu Philosophieren – und welche Besonderheiten
das mit sich bringt. Eingeladen sind Menschen, die unsere Seite schon mal besucht haben.

- emanzipatorische Landwirtschaftsforschung

- Konfliktbearbeitung

- Stichworte: Utopien – Ideologien – Experimente
Die Ausgangsfrage dieses Seminars ist: „Was an den theoretischen Vorraussetzungen und Begründungen unserer Experimente
des >anderen Lebens und Arbeitens< ist pure Annahme, also möglicherweise schlicht Glaube und/oder gar Ideologie?“
Es geht darum, bei der „Kritik der bestehenden Verhältnisse“ auch und vor allem uns selbst mit unseren Experimenten
einzubeziehen.
Termin: Samstag, 18.08.12, 14.00 – 18.00 Uhr/open end, Ort: Wukania – SISSI
Gewünscht ist eine möglichst breite Beteiligung aller an der Gestaltung des Inhalts und Ablaufs des Seminars -
möglichst auch schon im Vorfeld. Otfried wird zu Beginn des Seminars die klassische Rolle des Referenten mit Input
übernehmen. Diese Rolle sollte dann im Verlauf des Seminars gemeinsam abgebaut werden.
Bei Interesse bitte melden bei o _jensen@onlinehome.de

- Nichtkommerzialität

- Biographie-Arbeit
Wie unser Leben wurde, was es ist – und was wir daraus machen können.
Es geht um persönliche Geschichte/n, Körperarbeit, Erinnern und Aufspüren, Träumen, Wünschen.

- Bauseminare

Was davon alles wirklich stattfindet und in welcher Form hängt nicht zuletzt auch von euch ab. Auch für andere Ideen
sind wir offen. Also meldet euch! Am einfachsten erreicht ihr uns über lernwerkstatt@wukania.net

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Seminar zu Kommunikation in Gruppen

****************** !!! Gerne weiterleiten !!! ******************

Konsens, Entscheidungsfindung und Moderation
Trainer- und Multiplikator_Innen-Seminar

15. – 18. März
Villa Locomuna – Kassel

Anmeldung: konsenstraining (ät) riseup (dot) net

An diesem Wochenende wollen wir uns gegenseitig dazu befähigen, anderen
Gruppen Konsens-Entscheidungsfindung, Moderation in Gruppen und Methoden
für dieses Unterfangen, nahe zu bringen. In diesem Prozess werden wir
sicherlich auch nochmal unser eigenes Verständnis auf diesem Gebiet
schärfen, unsere Rolle als Moderator_Innen kritisch reflektieren und
über die Voraussetzungen und Bedingungen von kollektiver
Entscheidungsfindung ganz grundsätzliche Fragen stellen.

Das Seminar soll an den Teilnehmer_Innen orientiert sein, da wir
glauben, dass alle von den den bisherigen Erfahrungen der anderen lernen
können. Von diesem Austausch soll das Seminar leben.

Gemeinsam wollen wir einige Elemente eines solchen Konsens- und
Moderations-Trainings durchspielen, erproben und zusammen darüber
reflektieren:

* Warum Konsens?
* Bedingungen für Konsens
* Konsensprozess
* Moderation von Konsens
* Methoden für Konsens
* Fähigkeiten und Voraussetzungen in der Gruppe

Unser Angebot richtet sich speziell an Menschen mit mehr oder auch
weniger Erfahrung auf diesem Gebiet. Wir wünschen uns Leute aus
unterschiedlichen Kontexten die ein herrschaftskritisches
Grundverständins teilen und eine darauf basierende politische Kultur
stärken wollen.

Die Organisator_Innen:

Justus und Jan: Mitarbeit im britischen Trainingskollektiv Seeds for
Change (www.seedsforchange.org.uk), diverse Aktivitäten in sozialen
Bewegungen und für den Aufbau von nicht-kommerziellen Alltagsprojekten.

Zur Logistik:

Wir bemühen uns um Fördergelder um evtl. entstehende Fahrtkosten
erstatten zu können und die Seminarkosten (für Räumlichkeiten und
Verpflegung) gering zu halten.

Anreise am Freitag 16 Uhr
Abreise am Sonntag vor oder nach dem Mittagessen

Die Pennplätze vor Ort sind auf 20 begrenzt. Anmeldungen deshalb so bald
wie möglich und bis spätestens 12. Februar an:

konsenstraining (ät) riseup (dot) net

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Das System an seinen Wurzeln packen…

…um daraus einen nahrhaften Kompost zu bereiten, auf dem alles gut wachsen und gedeihen kann.

Es gibt ein großes Unbehagen mit dem System, mit dem wir zur Zeit gezwungen sind, unser Überleben zu meistern. Immer wieder raufen sich Menschen zusammen, um andere Wege zu beschreiten. Zur Orientierung werden zunächst vielfältige Theorien und Analysen gebaut. Was macht denn dieses System, das unsere alltägliche Versorgung organisieren soll, eigentlich im Kern aus? Die Theorien sind so vielschichtig, dass die Versuchung groß ist, einseitigen und vereinfachten Erklärungen anzuhängen.
Analysen und Theorien, die versuchen, die Vielschichtigkeit des menschlichen Gemeinwesens in Worte zu gießen, sind für die meisten bestenfalls abgehoben und schlimmstenfalls komplett unverständlich.

Aus der intensiven Beschäftigung mit der Wertkritik, der Kritik der Kritik, mit “subjektfundierter Hegemonietheorie” und ähnlichem exotisch klingendem wollen wir in diesem Text einen Versuch wagen, die praktischen Schritte, die sich unserer Meinung nach aus diesen Analysen ergeben, zu skizzieren und dazu anstacheln, daran weiter zu diskutieren und an spannenden Stellen in die Tiefe und Breite zu gehen.
Es ist hier nicht der Platz, um jedes Detail deutlich darzustellen. Dieser Text soll nur eine Übersicht geben und wird selbst nicht alle Tiefen berücksichtigen können.
Für Einige werden diese Erkenntnisse eine erfreuliche Bestätigung dessen sein, was sie eh schon taten und dachten. Wir wollen den in Theoretiker_Innenkreisen verbreiteten wortgewaltigen Kämpfen einen freundlichen Umgang entgegensetzen. Und nicht zuletzt dazu ermutigen, sich mit Analysen zu befassen, die kaum ein Mensch zuvor gesehen hat :)

Wertfrei und Spaß dabei – das gute Leben

Unser Bestreben ist ein schönes Leben. Dazu gehört zum Beispiel ein hübsches Dach über Kopf, zum Frühstück ein Kaffee mit Sahne, angenehme Gesellschaft und einiges mehr. Im Kapitalismus wird den meisten Menschen dieser Wunsch nicht erfüllt. Das liegt daran, dass der Kapitalismus leider ein ganz anderes Ziel hat: nämlich aus Geld mehr Geld zu machen. Das klingt banal, aber leider geht es zielsicher an einem Wirtschaftlichsystem vorbei, das den Sinn haben sollte, alle mit den gewünschten Dingen zu versorgen. Inzwischen hat sich die Erkenntnis weitgehend durchgesetzt, dass wachsende Wertproduktion keineswegs Wohlstand für alle, sondern eine stetig wachsende Masse von “Überflüssigen”(vom Wohlstand Ausgeschlossenen) erzeugt.
Der Wert macht Dinge vergleichbar, die sonst wenig mit einander zu tun haben und ermöglicht so sie (scheinbar gerecht) miteinander zu tauschen. Wenn wir Deine Gurken gegen mein Fahrrad tauschen sind diese wohl gleich viel wert, denn sonst hätte die benachteiligte Person ja nicht getauscht.
Der Wert einer Sache basiert dabei auf der an ihr verrichteten Arbeit. Allerdings zählt hier nicht die real verausgabte Arbeit, sondern die in der Gesellschaft durchschnittlich aufgewendete Arbeit. Wenn eine Maschine die notwendige Arbeit bei der Produktion eines Gegenstandes reduziert, wird auch der Wert dieses Gegenstandes abnehmen, sobald die maschinelle Produktion sich gesellschaftlich durchsetzt. Deswegen müssen die Produzierenden immer weiter versuchen die notwendige Arbeitszeit z.B. durch den Einsatz von Maschinen zu reduzieren, wenn sie am Markt bestehen wollen. Obwohl die Herstellung von Gütern immer einfacher wird, werden so immer mehr Menschen von Ihrem Nutzen ausgeschlossen, weil sie keine Anstellung mehr finden. Sie werden für die Produktion nicht mehr gebraucht und „Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen.“
Gleichzeitig wurde die eigenständige, von Lohn unabhängige Versorgung durch gewaltsames Durchsetzen der industriellen Produktion brutal ausgetrieben und die Mittel dazu weggenommen.

Dieser Glaube vom “gleichwertigen Tausch unter Gleichen” ist eh als Märchen entlarvt, wenn soziale Unterschiede betrachtet werden. Ich bin im Tauschverhältnis immer unterlegen, wenn der Mensch mit dem ich tauschen will/muss, mein Chef ist, weißer, männlicher, brutaler, älter etc ist. Das gilt für alle Ebenen von Tauschverhältnissen. Egal, ob ich meine Arbeitskraft gegen Geld tausche oder mein Huhn gegen einen Sack Kartoffeln.

Dass das nur eine scheinbare Gerechtigkeit von messbaren “Werten” ist, liegt daran, dass diese Wertberechnung von vorne bis hinten unpassend ist. Es ganz schön wenig, was letztlich im “Preis” einer Ware abgebildet ist. Es geht weder darum, wer unter welchen Bedingungen wo produziert noch darum, welche Konsequenzen die Produktion für Menschen und Umwelt hat. Laut dieses Systems ist zur Berechnung des Werts schlicht nicht relevant, was Bedingungen und Konsequenzen zur Herstellung eines Produktes sind, es geht allein um einen höchst abstrakten Durchschnitt an Zeit. Doch im Leben geht es um weit mehr als nur die Zeit. Es geht beim Wert noch nicht einmal um die tatsächliche Zeit, das jene konkrete Ware benötigt, sondern um einen Durchschnitt, der nach dem globalen technischen Stand der Produktion stetig in die Tiefe strebt (mehr Waren in weniger Zeit herstellen). Schneller, Höher, Tiefer, weiter. Das zeigt sich zudem in der ständigen Beschleunigung im Leben industrialisiert lebender Menschen, denn diese Art und Weise der Lohnarbeit hinterlässt über Generationen tiefe Spuren.

Diese Verkürzung macht es möglich, dass letztlich alles irrelevant ist, was nicht dem Zweck der Warenproduktion und damit dem Herstellen von Profit dient. Damit erübrigen sich Überlegungen in Richtung von “es kann alles bleiben wie es ist, man muss das Geld nur anders nutzen”. Man kann das Leben nicht einfach ausblenden und dann erwarten, dass sich Mensch und Umwelt beliebig den daraus entstehenden Bedingungen anpassen.

Damit das mit der Produktion glatt läuft, halten Regierungen (Aufstandsbekämpfung, Zuckerbrot, Gefängnisse) und jede Menge “gemeinnütziger” Einrichtungen sowie – überwiegend ebenfalls kommerzialisierte – “Freizeit” den Ball flach. Das Leben der meisten Menschen ist durch technologische Rationalität, Fremdbestimmung, Vereinzelung und Konkurrenzdruck leidvoll gezeichnet.
Es ist angesichts der Allgegenwart und der gleichgültigen Kälte des Systems erstaunlich, dass die Menschen trotzdem so viele soziale Bindungen mit echter Wärme und Unterstützung ohne jede Verrechnung schaffen.
Stellen wir uns eine Welt ohne Wert und Geld vor. Wenn Geld sonst zwischen den Menschen vermittelt hatte, müssen andere soziale Strukturen geschaffen werden, die den Menschen helfen, miteinander zu planen, was sie brauchen und wie sie es herstellen wollen. Es braucht Kommunikationsstrukturen. Lasst uns miteinander über andere Produktions- und Verteilungswege reden, die uns und unsere Lebensbedingungen nicht ignorieren!
Auch wenn es nicht so scheint (schließlich wird es von Generation zu Generation schwieriger, es sich anders vorzustellen, da es ja “schon immer so war”), so gibt es doch Alternativen zu dieser “Wertlogik” in der Produktion. Es muss dabei beachtet werden, dass den sozialen und ökologischen Prozessen ausreichend Aufmerksamkeit entgegengebracht, um lebenswichtige Güter herzustellen.
Es geht dabei um Kooperation statt Konkurrenz, Muße, Bedürfnisse, Qualität statt Quantität.
Dabei wäre der Tausch (Geld oder ähnlichem Berechenbaren) der falsche Weg. Die gesellschaftlichen Auswirkungen sind fatal, auch wenn die einfache Berechenbarkeit zunächst praktisch erscheint. Die dadurch suggerierte “Freiheit” richtet sich an dem Punkt gegen sich selbst, wo der Einzelne losgelöst (von nicht kommerziellen sozialen Beziehungen) zum Sklaven des Marktes wird und im harten Kampf ums knappe Geld unterliegt (und seine Miete nicht mehr zahlen kann).
Geldsysteme versuchen, soziale Beziehungen durch Automatismen zu ersetzen, und zwar so, dass mensch “unabhängig” von Anderen erscheint. Letztlich wird die Abhängigkeit von Familie/Clan/Wahlverwandschaft hin zu einer Abhängigkeit vom Markt abgelöst. Dementsprechend wird es nötig, sich den “Spielregeln” – dem Verwertungszwang – zu unterwerfen. Um das als Freiheit “zu verkaufen” gehört schon ganz schön viel Dreistigkeit dazu.
Es muss also ein Weg gefunden werden, aus einengenden Familien/Clanbeziehungen auszubrechen ohne sich der zerstörerischen Kraft des Marktes auszusetzen.
Wenn wir das “schöne Leben” durch zwischenmenschliche Beziehungen und Verbindlichkeiten jenseits des Zwangsmittels Geld aufbauen wollen, ohne in Unterdrückung zurückzufallen, müssen wir über Privilegien nachdenken. Die Vorteile, die einige wegen Geschlecht, Hautfarbe, Alter, Sexualität, soziale Schicht etc. gegenüber anderen haben, spielen eine wichtige Rolle. Diese Rollen müssen hinterfragt werden und Strategien entwickelt werden, wie wir die Unterschiede zur fruchtbaren Kooperation nutzen statt sie als Abweichung von der Norm zu denken und uns deshalb gegenseitig zu unterdrücken.
Eine Welt, in der viele Welten Platz haben schließt jene Welten aus, die nur ihre Welt als die “einzig wahre” gelten lassen wollen.

Das Denken in festen Feindbildern wird durch eine Analyse der Wertlogik erschwert. Klar sitzen Regierungen, Chefs und Banker an größeren Schalthebeln als Andere, jedoch sind sie letztlich genauso an die Marktlogiken gebunden. Und so sitzen wir alle in den selben Zahnrädern eines selbst gebauten Getriebes fest. Das System ist schuld. Lasst uns das Sand im Getriebe sein und langsam rausbröckeln.

Endlich aufhören zu kaufen und zu verkaufen

Wenn ich aufhöre, mich selbst und andere in messbare tauschbare Werte zu pressen und stattdessen überlege, wer den dieser Mensch tatsächlich ist, was konkret derdie Andere braucht und was ich brauche, um ein gutes Leben zu führen komme ich definitiv zu anderen Ergebnissen als “24,65”.
Eine Versorgung jenseits von Wert und Geld ist sozial, voller interessanter Auseinandersetzungen (endlich Zeit dazu!), kreativ im Problemlösen und setzt auf kollektive Intelligenz. Es geht um konkrete Bedingungen und Auswirkungen konkreter Tätigkeiten. Um beobachten, zuhören und wahrnehmen. Menschen finden zusammen, um zu schauen, ob sie einen Bedarf decken können, bestimmen dafür den nötigen Aufwand und wenn es genug Beteiligung gibt, wird soviel produziert, wie gewünscht und danach aufgehört (der Muße gefrönt). Freiwillige Kooperation heißt hierbei, die Möglichkeit zu haben, aus den jeweiligen Zusammenschlüssen ohne existentielle Nachteile ein- und aussteigen zu können. Auch Maschinen, Infrastrukturen und Werkzeuge müssen daher “offen” sein, das heißt zugänglich für alle, die es brauchen.

Mit dem einen Bein im Kapitalismus stecken

Das derzeitige System ist totalitär. Das heißt, es ist nur unter existenzgefährdenden Nachteilen möglich, auszusteigen (bzw. Gibt es nur “Einzellösungen” ). Daher ist es nötig, ein strategisches Verhältnis zu Markt und seinen Regierungen einzunehmen. Wie lassen sich Vereinnahmungen verhindern? Es ist fast die Regel, dass soziale Projekte kommerzialisieren, dass Gruppen korrumpieren sobald sie Macht bekommen (siehe “die Grünen”), weil sie dann die Schalthebel der Wertlogik entsprechend bedienen müssen, dass für andere Ansätze kein Raum mehr bleibt.
Es gibt nicht das Richtige im Falschen, daher muss diese Gratwanderung stattfinden. Das “kleinere Übel” muss akzeptiert werden, sofern damit “Keimformen” einer anderen Produktionsweise und Zusammenleben der Boden bereitet werden kann. Zum Beispiel, indem ein Schenkladen Fördermittel bekommt, Spenden wirbt oder ein kommerzielles Cafee betreibt, um die Miete zahlen zu können. Damit die Wertlogik das jeweilige Projekt nicht zerstört muss es bis zu einem gewissen Grad kooperieren und etwas “verwerten” oder Verwertung unterstützen. Dies ist als ein bewusster Prozess zu gestalten. Der Weg ist das Mittel zum Ziel, wenn wir morgen eine nicht wertförmige Produktion haben wollen, darf sie das heute auch nicht sein, sondern in möglichst allen Punkten der Utopie nahe kommen. Die kommerziellen Vorhaben müssen daher scharf von den nicht-kommerziellen Experimentierräumen getrennt sein, da kommerzielles Wirtschaften den Marktlogiken folgt und in den nicht kommerziellen Räumen gerade danach gesucht wird, wie wir ohne sie auskommen. Diese Forschung am nicht-kommerziellen Produzieren und Verhandeln ist schwierig, da wir alle kapitalistisch aufgewachsen sind, jede/r hat andere Grenzen, wie weit er/sie diese “Gewohnheiten” im Denken und Fühlen ersetzen kann. Dies nicht zur neuen druckigen Norm zu erheben und dennoch anzustreben wird einer weitere Herausforderung.
Die Umgestaltung zur nach-kapitalistischen Gesellschaft wird nicht plötzlich vom Himmel fallen, sondern ein Prozess sein, zu dem leider nicht viel Zeit bleibt (Verelendung, Ressourcen-und Umweltzerstörung). Glaubt niemanden, der_die behauptet, einen fertigen Plan aus der Schublade zaubern zu können.

Direkte Kommunikation, Konfliktkultur und das Gemeinwesen als neue Wurzeln

Jeder Mensch hat Bedürfnisse. Und wenn diese trotz aller tollen Vereinbarungen mit Anderen zusammenstoßen sprühen die Funken! Sich neu zu organisieren, um zu produzieren und zu leben, wird auch heißen, Konflikte austragen zu müssen und dafür Methoden finden zu müssen. Kreativität, kollektive Intelligenz, Erfahrungen und Stärke können sich darauf richten, eine passende Konfliktkultur zu schaffen ohne damit Verhältnisse zu zementieren oder sich gegenseitig totzuschlagen. Das Reflektieren gesellschaftlicher Machtverhältnisse aufgrund unterschiedlicher Privilegien wurde im Text bereits betont. Es muss zusammen mit der Abschaffung der Wertlogik erfolgen um zu vermeiden, dass Menschen auf unpassende Rollen festgelegt werden und die Dynamik sozialer Beziehungen in neuen Hierarchien erstickt wird. Es geht darum, das “Gemeinsame” zu entdecken und zu pflegen.
Wenn wir miteinander ins Gespräch kommen wollen, hindern uns Hierarchien nur daran, ernsthaft produktiv zu sein, da interessante Gedanken so garnicht erst nicht hervorgebracht oder ignoriert werden.

Arbeit ist scheiße(n)

Vielleicht macht es auch Sinn “Arbeit” als Begriff abzuschaffen. Weil er die Verkürzung auf Wert in sich trägt. Was sagt es einem, wenn jemand meint er/sie würde arbeiten gehen? Gar nix. Wenn es sich nicht gerade um ein nicht-kommerzielles Projekt handelt würde ich vermuten, dass jemand seine Arbeitskraft verkauft. Sonst ist dem nix zu entnehmen. Es ist möglicherweise Ausdruck unserer wertlogischen Wahnvorstellung, alles in abstrakte Containerbegriffe zu packen und unsere Arbeitskraft (Lebenszeit) beliebig ersetzbar erscheinen zu lassen, statt das Kind beim Namen zu nennen. “Ich gehe Ziegen betreuen” oder “ich gehe Löcher stanzen” eröffnet gleich viel mehr Perspektiven auch zum Hinterfragen der Tätigkeit.

Ein weiterer Punkt ist die Wissensweitergabe. Viel von dem Wissen, wie wir uns umwelt- und menschenfreundlich versorgen können, muss erst noch erforscht werden. Oder zum Teil wieder ausgegraben werden aus den Mottenkisten unserer Vorfahren. Jedenfalls kommt der Wissensteilung eine große Rolle zu, die alle spielen können. Jede/r weiß etwas und kann anderen etwas zeigen. Wenn das verwertungsorientierte Wissen aus Schulen und Unis nicht mehr sinnvoll ist, müssen eigene Maßstäbe und Bildungssysteme geschaffen werden. Bildungsnetzwerke wären ein ressourcensparender Ansatz.

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Achtung: Sündenbock!

Wenn man in die unendlichen Weiten der Ideen um alternative Wirtschaftsweisen eintaucht, stößt man auf einige seltsame Wesen. Sie sind haarig, haben Hörner, machen „mäh!“ und werden in die Wüste getrieben, weil sie das Pech hatten, im Verdacht zu stehen, mit „dem Bösen“ unter einer Decke zu stehen: der gemeine Sündenbock.

Wie wir aus vielen Kinofilmen zweifelsfrei wissen, sind die Bösen immer irgendwie gleich: sie wollen die Weltherrschaft, alle anderen ausbeuten und unterdrücken, meistens sind sie nicht mal als menschlich zu erkennende eklige Monster oder Aliens.

In Kreisen von WirtschaftsystemkritikerInnen, Finanzsystemfrustrierten und ZukunftsvisionärInnen trifft man immer wieder auf dieses Tierchen, auch wenn man dachte, die seien seit dem zweiten Weltkrieg in Deutschland bereits ausgestorben.

Sie sind wieder da, oder waren nie ganz weg, und zwar in Form von Verschwörungstheorien über die „jüdische Weltverschörung“ zum Beispiel. Oder in Form von Außerirdischen oder Echsenwesen, die im Erdinnern wohnen und von dort aus unsere Gedanken fernsteuern. Während letzteres noch als amüsant-absurd ausgelacht werden kann, ist die Suche nach dem passenden Feinbild in Form der jüdischen Weltverschörung viel problematischer. Und dazu noch sehr beliebt. Und so tauchen sie bei der Occupy Bewegung genauso wie beim Zeitgeist movement wieder in das kritische Licht der Öffentlichkeit.
Details dazu:
http://www.netz-gegen-nazis.de
http://www.netz-gegen-nazis.de

http://www.welt.de/

http://jungle-world.com/

Beide Theorien haben gemeinsam, dass sie ein Gefühl der Machtlosigkeit, des Neides, der Hilflosigkeit aufkommen lassen, denn wenn die Mächtigen bereits so mächtig sind und im Verdeckten agieren, wie soll man bloß gegen die ankommen?
Die Ohnmacht lässt sich leicht durch Agitation in Agression umwandeln, indem man die Aufmerksamkeit auf die mit „Bösen“ assoziierten lenkt. Praktisch ist dabei, wenn es Menschen betrifft, die in leicht identifizierbare Kategorien zu stecken sind, die sowieso in der Minderheit und benachteilgt sind. In der Geschichte und weltweit gibt es unzählige Beispiele dieser Art, nicht nur der in seiner wohldurchdachten Grausamkeit einzigartige Holocaust.

Haben 99% nix aus der Geschichte gelernt?
Wieso beschwören SprecherInnen bei deren Veröffentlichungen immer wieder Bilder herauf von gierigen Einzelpersonen, die an allem Schuld seien?
Die Geschichte zeigt, dass mit der Beseitigung von Sündenbocken die Situation in der Regel eher schlechter oder unverändert blieb – nur der gewaltätige Mob fühlte sich bestätigt und innerlich sozial gestärkt. Ein Machtkampf jagt den nächsten, nach einem geköpften König kommt der nächste despotische Machthaber, moderner: Militärdiktator.

Alle spühren, dass da was falsch läuft. Alle wollen Frieden und Brot für ihre Kinder. Aber solange viele nur nach passenden Feindbildern Ausschau halten, wird abgelenkt, wird der Blick verstellt, die Emotionen vernebelt, das Denken verroht.
Der Feind wird fetischisiert, seine Beseitigung bringe das Heil für alles.
Dass so viele Menschen auf diesen Schwachsinn hereinfallen zeigt, wie nachhaltig jahrhundertelange Kriegspropaganda wirkt und wie hilflos oder desintegriert die Menschen sich fühlen.
„Zusammen gegen den Feind“ bildet kuschelige Kampfgemeinschaften, endlich kommt man mal wieder zusammen, einig Deutsches Vaterland…. Wie gruselig. Ist ja auch viel einfacher, als zu versuchen, die Kompliziertheit von Machtverhältnissen zu verstehen. So kompliziert isses auch nu wieda nich!

Was fehlt, ist ein entschiedenes Einstehen für bereits existierende, gründlichere Systemanalysen, die keinen Raum für Feindbilder lassen.
Es geht beispielsweise darum, sich das System als von Menschen in einer verrückten Experimentierphase mühsam geschaffenen Roboter auszumalen, der Menschen und Umwelt frisst und Geld scheißt.
Der Roboter steht für das System, das funktioniert, weil alle dran glauben, weil alle sich gegenseitig zwingen, daran mitzuwirken. Die ihn trotz aller Konstruktionsfehler irgendwie doch noch am Laufen halten und hier und dort ein paar Sicherungen einbauen, damit er nicht vollends durchknallt. Der Roboter ist emotionslos, er tut nur seinen Job (Schulterzucken).

In diesem System sind wir alle Opfer und Täter zugleich. Wer kauft, muss verkaufen. Der Roboter eignet sich nicht so richtig als Feindbild, weil man eine Methapher nicht köpfen kann und uns letztlich auf alle verweist.
Klar gibt es starke Machtgefälle unter uns allen, die es zu erkennen und hinterfragen gilt. Auf der persönlichen Ebene gibt es aber keine „bösen“ Individuen (oder Gruppen), das nach der Weltherrschaft greifen, sondern einen riesigen Haufen Menschen, die im falschen System um ihr Überleben kämpfen. Und das in einem System, das grausames Verhalten sinnvoll erscheinen lässt, weil dadurch Überlebensvorteile (Geld, Macht) entstehen.

Mal auf den Kopf gestellt, könnte die Frage also lauten: Welches System oder welche Systeme braucht der Mensch, um sich zueinander friedlich, ehrlich und respektvoll zu verhalten? Wo es tatsächlich materiellen Vorteil ergibt, sich kooperativ zu verhalten statt destruktiv?

Dazu gibt es eine Menge guter Ideen, die es auszugraben und auszuprobieren gilt. Schau dich um, dann wirst du sie finden.

Rettet die Sündenböcke! Denkt und schafft Alternativen gegen die Roboter und Nazis in unseren Köpfen.

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Maschinen und Ökonomie selber bauen

Ich bin schon vor einiger Zeit auf so schicke Hochglanzflyer mit dem Titel “Open Source Ecology” gestoßen, die Fotos von seltsam eher minimalistisch designten Maschinen zeigten. Sie werden als Open Source Technologie hergestellt. Das heißt, dass die Baupläne und Erfahrungen offen für alle zu erhalten sind und dass die Bauteile ökologisch und sozial nachhaltig, kompatibel zueinander und leicht selber herstellbar sind. Die Maschinen sollen dazu dienen, die Versorgung einer Dorfgemeinschaft und den Bau von Infrastruktur zu erleichtern… wann kommen die ersten Putzroboter ;) ? Sie nennen das”Globales Dorf Aufbau-Set” (global village contruction set)
Es gibt in Nordamerika einen Ort, wo das bisher alles gebaut wird aber es gibt ernsthafte Bestrebungen, das nun in anderen Teilen der Welt voranzutreiben. Unter anderem auch in Europa und Deutschland, dazu gibts auch ein Forum und Mailingliste. Ich habe schon mit einem der Entwickler, einem Programmierer, gechattet und bin erfreut, dass dezentrale Strukturen offenbar gewünscht sind. Das Team ist bisher recht klein, es gibt aber viele Interessierte. Sie haben einen Anfang gefunden, indem sie in globalen Ökodorf-vernetzungen anfragten und bekamen einige Resonanz. Nun wird versucht, die Fäden zusammenzuhalten und informiert zu bleiben, sich zu treffen, kennenzulernen, Motivationen zu klären und zu schauen, was sich daraus ergeben kann.
Hier gibt es einige interessante Filme zum Thema:
http://opensourceeconomy.org/
… und auf youtube ist massenhaft zu finden!
Dort hat jemand einen extra Channel aufgemacht:
http://www.youtube.com
Wen das alles heiß macht, kann sich dem Entwicklungsteam anschließen.

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GemÖk Netzwerk

http://www.gemeinsame-oekonomie.net

Finanzkooperativen und Gemeinsame Ökonomien in der neuen Dimension

Am letzten Oktoberwochenende trafen sich 30 Menschen in Kassel zu einem Austausch über die Erfahrungen, Probleme und Lösungsansätze in ihren Gemeinsamen Ökonomien und Finanzkooperativen. Großen Anklang fand die Idee, Gemeinsame Ökonomien von Finanzkoops, Kommunen und nicht-kommerziellen Zusammenschlüssen zu einer großen gemeinsamen Ökonomie zu verbinden: GemÖk hoch zwei – GemÖk². Die Entwicklung eines umsetzbaren Modells geht weiter am 10.-12.2.2012 in Kirchvers bei Gießen.

Von Sigrun Preissing und Gottfried Schubert. 30 Menschen die sich kaum kennen, ein selbstverwalteter Veranstaltungsort und eineinhalb Tage Zusammenarbeit: die Feedbackrunde am Sonntag Nachmittag zeigte, dass viele der TeilnehmerInnen weit mehr positive Erlebnisse, Kontakte, Anregungen und Ergebnisse mit nach Hause nahmen als sie erwartet hatten. Schon die intensive Vorstellungsrunde am Samstag morgen zeigte, dass sich eine Vielzahl an sehr unterschiedlichen Finanzkooperativen und Gemeinsamen Ökonomien zum Vernetzungstreffen versammelt hatten. Da viele Finanzkoops und GemÖks ausschließlich im Privaten agieren und in der Öffentlichkeit wenig sichtbar sind, konnten viele neue Bekanntschaften gemacht werden.

Die Formen und Modelle, individuelle Einkünfte gemeinsam zu nutzen waren vielseitig: mal zwei, mal 80 Leute in einer Gruppe teilten sich nur ein Konto oder viele Einzelkonten. Manche Gruppen legten ihre Einkünfe zusammen um den Alltag zu bestreiten (Alltagsökonomie), einige auch Erbschaften, Rücklagen und Schulden (Vermögensökonomie). Menschen, die mit ihrer GemÖk in gemeinsamen Gebäuden wohnen, staunten über Praxen von Gruppen, deren Mitglieder in unterschiedlichen Regionen leben. Mit dabei waren auch BewohnerInnen der Kassler Kommunen, Personen aus Finanzkooperativen im Umbruch und Interessierte ohne aktuelle GemÖk-Gruppe.

Unterschiedliche Erfahrungshintergründe der TeilnehmerInnen zeigten sich bei den Arbeitsgruppen am Samstag. Sie diskutierten über Finanzkoop-übergreifende Altersvorsorgemodelle und unterschiedliche Möglichkeiten, Vermögen in die GemÖks einzubringen ohne die damit verbundenen Ängste zu ignorieren. Austausch gab es auch über die unterschiedlichen Erfahrungen im Umgang mit PartnerInnen, Kindern und Eltern, wenn sie finanzielle Verbindungen mit den Finanzkoops haben, aber nicht daran teilnehmen. Auch kleinen GemÖks wurde nochmal in der Arbeitsgruppe zum Thema „politisch Relevanz“ ihre Bedeutung durch die Vernetzung mit anderen Gruppen bewusster.
Gemeinsame Gemeinsame Ökonomie – GemGemÖk – GemÖk hoch zwei

Viel Energie wurde aufgebracht für konkrete Formen der Vernetzung. Ein sehr weitgehender Schritt dahin war die Idee einer finanziellen Vernetzung von Finanzkoops, Kommunen und ähnlichen solidarischen Wirtschaftsformen, genannt GemÖk². Durch die GemÖk², so die Hoffnung, entsteht mehr Sicherheit, Stabilität und Durchlässigkeit unter den ökonomischen Gruppen. Die Vorstellung, bei Verlassen der eigenen Bezugsgruppe nicht zwangsläufig aus der gemeinsamen Ökonomie, Alterssicherung und dem sozialen Netzwerk heraus zu fallen, faszinierte viele der Mitdiskutierenden. Dieses Modell könnte auch den Bedürfnissen unterschiedlicher Lebensphasen gerechter werden. Andere wiederum reizte, dass die politische Relevanz durch die stärkere Außenwahrnehmbarkeit erhöht werden könnte.

Bei der begonnenen Entwicklung des GemÖk²-Modells haben sich erste Kriterien und Bedürfnisse herauskristallisiert. Zum Beispiel war den TeilnehmerInnen wichtig, bisherige soziale Bezüge, wie die eigene Finanzkoop, Kommune usw. in der GemÖk² beibehalten zu können. Eine erste Idee war, in diesen bestehenden Bezügen – den sogenannten „Kuschelökonomien“ oder „Mögensökonomien“ – weiterhin die Alltagsökonomie zu regeln, auch wenn das Geld in eine große gemeinsame Kasse fließt. Die Frage der Vermögensökonomie blieb noch unkonkreter, zumal manche mitdiskutierende Gruppe bisher noch keine hatte. Es wurde jedoch deutlich, dass das Kollektivieren des eigenen Vermögens attraktiver wird, wenn es in einer größeren Gruppe organisiert ist. Das weiter zu entwickelnde Modell soll mit einfachen und durchschaubaren Regelwerken machbar sein, zusätzlichen sozialen Stress vermeiden und den Bisherigen in den „Kuschelökonomien“ verringern.
Einladung zur Weiterentwicklung von GemÖk²

Wir laden Euch ein, bei der Weiterentwicklung der GemÖk² mitzumachen. Wichtig ist uns dabei, dass Ihr entweder selbst in einer Form der Gemeinsamen Ökonomie lebt oder damit bereits länger Erfahrungen gesammelt habt. Wir treffen uns vom 10.-12. Februar in Kirchvers bei Gießen. Dort werden wir die Projektentwicklungsgruppe GemÖk² bilden. Ein späterer Quereinstieg wird dann vorerst nur noch durch Patenschaft einer TeilnehmerIn möglich sein, damit die Kontinuität der Weiterentwicklung gewährleistet werden kann.

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SolidÖk in Österreich

Einladung & Call For Contributions zur
2. WINTER SCHOOL “SOLIDARISCHE ÖKONOMIE” – 17.-19.2.2012 – KÄRNTEN

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Immer mehr Menschen interessieren sich für ein Wirtschaften, das auf
Gleichheit, Partizipation und Solidarität beruht, das die Bedürfnisse in
den Mittelpunkt stellt und dem Profitstreben eine Absage erteilt.
Vielfältige Beispiele – von Gemeinschaftsgärten und Kostnixläden über
Transition Towns bis hin zu Kooperativen und besetzten Betrieben –
zeigen: “Ökonomien von unten” bieten eine Alternative zu Staatsplanung
und Kapitalverwertung. Es ist jedoch noch viel zu tun, um Solidarische
Ökonomie zu einer tragfähigen Perspektive zum Kapitalismus und seiner
Krise zu entwickeln.
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Die “Winter School Solidarische Ökonomie” lädt Euch und Sie in diesem
Sinn zum 2. Mal zu Beiträgen in entspannter und doch intensiver
Atmosphäre ein. Workshops und Diskussionsrunden sollen der Vernetzung von Aktivist*innen, dem Erfahrungsaustausch und der Planung von Projekten dienen. Daneben wird es viel Gelegenheit zu lockerem Beisammensein und Entspannung geben.

Um Interessensbekundungen und Ideen zu Workshops, Diskussionsrunden oder Filmscreenings für die Winter School 2012 wird gebeten, ebenso um Voranmeldungen für die Teilnahme. Das Programm wird nach Einlangen der Beiträge im Jänner 2012 erstellt und über diese Verteiler wieder ausgesandt. Kontakt: krisu@riseup.net

Im Sinne eines direkten und barrierefreien Austauschs wird die
Arbeitssprache Deutsch sein, wir freuen uns aber natürlich besonders
über internationale Beteiligung! Eine limitierte Anzahl von
Gratis-Schlafplätzen mit Waschgelegenheit (privat und am
Veranstaltungsort) ist vorhanden. Bei Anmeldung bitte
Übernachtungswünsche bekannt geben. Ansonsten gibt es die Möglichkeit, in einer Jugendherberge zu übernachten. Frühzeitige Buchung von Vorteil.

Anmeldefrist für Workshops & Inputs: Mo., 16. Jänner 2011

Kontakt: krisu@riseup.net

Zeit: Fr, 17. Februar 2012, Beginn 11.00 Uhr
bis So, 19. Februar 2012, Ende 15.00 Uhr

Ort: Volxhaus Villach

Veranstalter_innen: Kritische & Solidarische Universität
http://krisu.noblogs.org/ und ÖIE Kärnten http://www.kaernoel.at/oeie/

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